WissensWert Blog Carnival Nr. 1: Wie Blogwerker arbeiten

Grafiklogo WissensWertDie Frage der Ausgabe 1: „Ist Wissensarbeit 2.0 traumhaft oder traumatisch?“ passte wunderbar in das Interview mit Dr. Peter Hogenkamp, Gründer und CEO des Schweizer Online-Verlags Blogwerk AG über deren Arbeitspraxis 2.0. Flugs hatte er die Frage via Skype-Gruppenchat an zwei weitere Blogwerker weitergeleitet. Intererssanterweise übersetzte er meine Frage in „Wie findet ihr die Kommunikation bei uns?“. Die beiden Mitarbeiter antworteten realtime, und so sind in diesem sieben minütigen Gesprächsausschnitt gleich Aussagen von vier Personen versammelt, die Hogenkamp kommentiert und teils kontrovers diskutiert.
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=uxmxgxi_cTo[/youtube]

Hier stichpunktartig die Kernaussagen zur Eingangsfrage, was als traumhaft und was als traumatisch empfunden wird:

  • Peter Sennhauser: „Traumhaft ist, dass man immer und überall – und mitten aus Interviews – Fragen ans Team stellen kann.“
    „Traumatisch ist, dass man jederzeit Auskunft geben muss.“ … „… dass die Kanäle nicht irgendwelchen Dringlichkeits- oder sonstigen Kriterien zugeordnet werden können.“ (zu Letzterem vertritt Hogenkamp eine Gegenposition)
  • Lea Barmettler: „Traumatisch ist auch, dasss es so viele Kanäle sind.“ (da weiss Hogenkamp ein Mittel: RSS-Feeds)
  • Peter Hogenkamp: „Traumhaft ist insgesamt, dass wir hier eine Firma mit 50 Leuten … steuern können mit einem fast Null-Budget. Eigentlich ist fast alles was wir nutzen „Software as a Service“, und das meiste ist gratis. … Die Total Cost of Ownership von unserem Blogwerk-Arbeitsplatz ist winzig … 100 Franken im Jahr, also nichts.“
  • Andrea Back: „Als ich mit einem Newsreader angefangen habe, war ich anfangs wirklich gestresst. … Ich habe sowohl beim Newsreader als auch beim Bloggen gemerkt, dass es nur eine Phase war, und dass man sehr schnell zu Gelassenheit findet.“

Im letzten Teil (ab ca. Minute 5) geht es um die verbreitete Klagerei über die Informationsüberforderung (Information Overload). Auch eine Behauptung von Zukunftsforscher Matthias Horx, dass die Leute wieder aus dem Internet aussteigen würden, reizt zur Stellungnahme. Hogenkamp scheut sich nicht, Klartext zu reden. An einer Stelle fühlt er sich von Aussagen dieser Art so „provoziert“, dass er sich ein „alles völliger Quatsch“ nicht verkneifen kann.

5 Kommentare zu diesem Artikel


  1. Ist Wissensarbeit 2.0 traumhaft oder traumatisch? WissensWert Blog Carnival Nr. 1/Feb. 09 – Wissenswert schrieb:

    […] Dr. Peter Hogenkamp: Was traumhaft und traumatisch ist an der Art wie Blogwerker arbeiten. Interview, 7 min. Video, auf dem Wissensblog http://www.business20.ch. […]

  2. Ist Wissensarbeit 2.0 traumhaft oder traumatisch? (Nr. 1/Feb. 09) – Wissenswert schrieb:

    […] Gerne dürfen Sie auch die Erkennungsgrafik – wie in diesem Post – einbinden. Beispiel siehe hier. Wer keinen Blog betreibt und etwas zum Thema beitragen möchte, kann die Kommentarfunktion dieses […]

  3. Peter Hogenkamp schrieb:

    Fürs Protokoll: Bin erst ab 16.2.2009 «Dr.». Ist das erste Mal, dass ich es hier geschrieben sehe. Sieht soweit ganz OK aus…

  4. Herr Akles schrieb:

    @Herr Dr. Peter Hogenkamp:
    Kann bei Blogwerk-Arbeitsplätzen überhaupt von „Ownership“ im Sinne der TCO gesprochen werden? Das implizierte doch, dass es sich bei den ArbeiterInnen um Vollzeitangestellte handeln würde. Dabei handelt es sich bei BesetzerInnen von virtuellen Arbeitsplätzen im Journalismus üblicherweise um freie MitarbeiterInnen, die im Stücklohn oder allenfalls in Teilzeit arbeiten.
    Ich finde es auch ziemlich verwegen, sich als Unternehmer mit einer tiefen „Arbeitsplatz-TCO“ zu brüsten. Denn logischerweise wird in Ihrem Fall ein grosser Teil der realen Arbeitsplatzkosten einfach verlagert: Weg vom Unternehmer, hin zum/zur ArbeitnehmerIn. Dass die umgerechneten Vollzeitlöhne bei freien MitarbeiterInnen zudem meist tiefer sind als bei Festangestellten, kommt der Bilanz des Unternehmens zugute, nicht jedoch derjenigen der sozialen Gerechtigkeit. Geschäftsrisiken und -kosten, welche eigentlich vom Unternehmenskapital getragen werden sollten, werden über den Markt auf die freien MitarbeiterInnen überwälzt, welche dem Risiko voll ausgesetzt sind, am Markt aber keine Risikoprämie durchsetzen können. Was den Produktionsprozess vergünstigt und Betriebe mit „echten“ Arbeitsplätzen verdrängt.
    Bei allen Vorteilen der sogenannt „schlanken Produktion“, auch im „modernen“ Journalismus, erinnert mich dieses Arbeits- und Wertschöpfungsmodell doch stark ans Heimarbeitselend im 18. und 19. Jahrhundert. Für ArbeitnehmerInnen scheint dies eher „Business 0.5“ als „Business 2.0“ zu sein – ein Rückschritt statt ein Fortschritt. Die Frage zu beantworten, in wessen Interesse diese Entwicklung ist, sei der geneigten LeserInnenschaft überlassen. Traumhaft oder traumatisch, wahrlich eine gute Frage!

  5. e-Denkarium » Blog Archiv » WissensWert Blog Carnival Nr. 1: schrieb:

    […] sicher auch viele andere) und Jochen Robes (die beiden Organisatoren) interessieren (siehe auch hier). Die übergeordnete Frage ist, was an den neuen Web 2.0-Anwendungen traumhaft und was traumatisch […]

Schreiben Sie einen Kommentar