Feuertaufe Teaching with Cases bestanden

Im vergangenen Forschungssemester habe ich mich weitergebildet und ein Seminar besucht, wie man im Harvard-Stil Lehrefallstudien unterrichtet. Man nennt das Case Method Teaching. Während wir und ich typischerweise Lehrvorträge halten, die zu den Anwendungsbeispielen Konzepte, Methoden und Lösungen für die Problemstellungen vorstellen, ist genau das bei der Arbeit mit Teaching Cases “verboten”. Die Studierenden sollen durch geschicktes Fragen, Kommentieren und Nachfragen in ihren Denkprozessen angeregt werden und SELBST Lösungsmöglichkeiten und Antworten erarbeiten. Das ist eine sehr bewährte didaktische Methode.

Für meine Feuertaufe, d.h. das erstmalige konsequente Anwenden der Methode in einer echten Unterrichtssituation, habe ich eine Lehrfallstudie mit einem Thema gewählt, das alle emotional anspricht und für streitbare Diskussionen gut geeignet ist. Das Unternehmen ATOS hat eine “Zero eMail Initiative” lanciert. Mein Doktorand Mario Silic und ich haben dazu einen Teaching Case inkl. Teaching Plan geschrieben, die demnächst publiziert werden.





Die Prezi-Präsentation (Link: http://prezi.com/j1sg4naijoqo/?utm_campaign=share&utm_medium=copy&rc=ex0share), die ich im Workshop mit Praktikern benutzt habe, vermittelt einen Eindruck, wie ich dabei vorgegangen bin. Es ist mir gelungen, mit dem Thema und dem Diskussionsformat die Anwesenden noch in den Bann des Themas zu ziehen und eine tiefe, anregende, teils hitzige Diskussion zu generieren, und das an einem Freitag nachmittag kurz vor Ender der 2-tägigen Konferenz, wo bei vielen eher schon “die Luft raus war”.

Fazit: Die Methode überzeugt mich – SEHR – und ich werde weiter Materialien für Lehrefallstudien produzieren und in Case Discussions damit Erfahrungen sammeln.

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Der low-budget Independent-Film – profitabler als Hollywood?

Studierende, die ihre Abschlussarbeit über von digitalen Entwicklungen beeinflusste Geschäftsmodelle schreiben möchten, nehme ich gerne zur Betreuung an, wenn es sich um eine spannende Fragestellung und eine Forschungslücke handelt, selbst wenn das Thema nur am Rande zu meinen Forschungsschwerpunkten passt. Eine solcher Einscheidung hat sich wieder einmal bewährt: Wir wollen deshalb die Einblicke aus seiner Studie mit Ihnen teilen.

  • Erfolgsfaktoren für low-budget Independent-Filme (Abschlussarbeit, Simon Morton, Universität St. Gallen, FJ 2015)

Simon Morton untersucht, welche Faktoren zu einem kommerziellen Erfolg von Independent-Filmen mit sehr niedrigen Budgets führen. Konkret geht es um Produktionen, die ausserhalb des etablierten Hollywood-Studiosystems produziert werden und ein Budget von maximal 1 bis 2 Mio. USD aufweisen. Bekannte Beispiele sind Filme wie THE BLAIR WITCH PROJECT (aus dem Jahr 1999), OPEN WATER (2003) oder SUPER-SIZE ME (2004).

Nachdem der Faktor Produktionsbudget mit der oben genannten Begrenzung offensichtlich keine Rolle mehr als Erfolgsfaktor spielen darf, fragt man sich vorab natürlich, ob low-budget Filme überhaupt profitabel sind. Hennig-Thurau hat dies anhand einer grossen Stichprobe aus insgesamt 331 Filmen aus dem Zeitraum August 1999 bis Mai 2001 untersucht (Hennig-Thurau, 2004, Spielfilme als Anlageobjekte). Als aufschlussreiches Ergebnis konnte er zeigen, dass die grössten Produktionen (mindestens 75 Mio. USD) zwar die höchsten Erträge erzielen, dies aber aufgrund der ebenfalls höheren Kosten nicht bei der Profitabilität hilft: So waren bei diesen Filmen nur 3.6% überhaupt profitabel! Im Gegensatz dazu steht das unterste von Hennig-Thurau untersuchte Segment der Filme bis maximal 5 Mio. USD: Hier waren mindestens 42% der Filme profitabel, was dieses Budgetsegment zum erfolgreichsten bezüglich ROI macht.

Diesem für Hollywood fast schon erschreckenden Ergebnis ging Morton in seiner Arbeit weiter nach, mit Augenmerk auf erfolgreiche low-budget Independent-Filme. Als Basis für eine Übersicht der erfolgreichen low-budget Independent-Filme unserer Zeit wählte er die Liste der „Top 50 modern day low budget movies“ der Filmwebsite Den of Geek (2012); die meisten Filme tauchen auch in anderen Bestenlisten immer wieder auf. In der untenstehenden Tabelle sind ausschliesslich Independent-Filme aufgeführt, die dem von Hennig-Thurau gewählten Budget-Kriterium von maximal 5 Mio. USD Produktionsbudget entsprechen. Zudem beschränkt sie sich auf neuere Beispiele, und zwar ab dem als Wendepunkt geltenden low-budget Film THE BLAIR WITCH PROJECT aus dem Jahr 1999. Anhand der Daten von Box Office Mojo wurden die Budgets, die weltweiten Kinoerträge und die Genre-Einteilung ergänzt. Bei fehlenden Angaben zu den Produktionsbudgets hat Morton diese von Den of Geek! ergänzt. Bei fehlenden Angaben zu Kinoerträgen wurden diese Filme nicht in der Liste aufgeführt.

Die Tabelle erlaubt damit eine gute Übersicht über das Verhältnis von Produktionsbudget und Kinoertrag erfolgreicher low-budget Independent-Filme aus den Jahren 1999-2011 (Kinoerträge auf ganze 100′000 gerundet).

Erfolgreiche low-budget Independent-Filme von 1999-2011

Film Budget Kinoertrag Genre Jahr
Beginners $3′200’000 $14′300’000 Drama 2011
Another Earth $150’000 $1′800’000 Drama 2011
Take Shelter $5′000’000 $3′100’000 Drama 2011
Buried $3′000’000 $19′200’000 Thriller 2010
Submarine $1′500’000 $900’000 Comedy/Drama 2010
Catfish $30’000 $3′500’000 Documentary 2010
Animal Kingdom $5′000’000 $6′800’000 Crime Drama 2010
Monsters $500’000 $4′200’000 Sci-Fi 2010
Moon $5′000’000 $9′800’000 Sci-Fi 2009
Paranormal Activity $15’000 $193′400’000 Horror 2009
Bronson $230’000 $2′800’000 Action Drama 2008
Hunger $3′100’000 $2′700’000 Drama 2008
Eagle Vs Shark $1′350’000 $1′300’000 Comedy 2007
Once $150’000 $20′700’000 Music Drama 2006
Brick $475’000 $3′900’000 Drama/Thriller 2005
Garden State $2′500’000 $35′000’000 Comedy/Drama 2004
Super-Size Me $65’000 $20′600’000 Documentary 2004
Saw $1′200’000 $103′100’000 Horror 2004
Napoleon Dynamite $400’000 $46′100’000 Comedy 2004
Dead Man’s Shoes $1′000’000 $200’000 Action Thriller 2004
Open Water $500’000 $54′700’000 Horror 2003
Lost in Translation $4′000’000 $119′700’000 Comedy 2003
Bowling for Columbine $4′000’000 $58′000’000 Documentary 2002
The Blair Witch Project $60’000 $248′600’000 Horror 1999



Anhand dieser Beispiele erfolgreicher low-budget Independent-Filme lässt sich gut ablesen, welches kommerzielle Potential in Filmen steckt, die mit einem stark limitierten Produktionsbudget erstellt werden. Bei näherer Betrachtung der Einteilung in Genres fällt ausserdem auf, dass von den 22 auf IMDb.com genannten Genres nur 8 (zum Teil in Mischform) zur Anwendung kommen. Konkret sind dies Thriller, Documentary, Comedy, Crime, Sci-Fi, Horror, Action, Drama und Music.

Bei Betrachtung der Profitabilität aller 24 aufgeführten Filme ergibt sich im Schnitt eine Rendite von rund 2300%, was natürlich auch durch die extremen Ergebnisse der Filme PARANORMAL ACTIVITY und THE BLAIR WITCH PROJECT beeinflusst wird. Aber selbst bei Ausschluss dieser beiden Filme ergibt sich immer noch ein ROI von gerundet 1260%. Dies lässt ein enormes Potential bezüglich Rentabilität dieser Filme vermuten, da in dieser Betrachtung nur Kinoerträge eingeschlossen sind (die heute immer noch fast ausschliesslich am Kinoergebnis orientierten Marktzahlen stellen für Forschung und Praxis ein grosses Problem dar: für den Bereich Home Entertainment liegen nämlich – im Gegensatz zu den „Box-Office“-Resultaten – keinerlei öffentlich zugängliche Zahlen zu den Einspielergebnissen pro Film vor).

Jüngste Beispiele aus dem Bereich der Independent-Filme zeigen nämlich, dass Kinoerträge nur einen Teil der Einnahmen ausmachen (wenn der Film überhaupt im Kino gezeigt wird und nicht direkt auf Video-on-Demand oder DVD veröffentlicht wird): So wurde Lars von Triers Film MELANCHOLIA 2011 sogar einen Monat vor seinem Kinostart als VoD-Verleihfilm veröffentlicht und erzielte damit 2 Mio. USD an Umsatz, zusätzlich zu den 3 Mio. USD im Anschluss an der Kinokasse (Tryon, 2013, On-Demand Culture: Digital Delivery and the Future of Movies).

Angesichts dieser Ergebnisse kann man davon ausgehen, dass der low-budget Independent-Film die etablierten Hollywood-Studios hinsichtlich Profitabilität deutlich übertrifft. Angesichts einer Zukunft mit immer stärker fragmentierten Zielgruppen und einer digitalen On-Demand Filmkultur wird sich diese Entwicklung wohl auch noch verstärken. Höchste Zeit also, dass nicht nur die Zuschauer, sondern auch Wirtschaftswissenschaftler, Entscheidungsträger und Investoren den low-budget Independent-Film für sich entdecken.

Photonachweis: Egyptian Theatre at night (Sundance Film Festival 2007), Wikimedia Commons

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Nun bereit: Weiterbildungsseminar Enterprise 2.0 Management – an der Uni St. Gallen

Immer wieder wurde ich gefragt, ob wir Weiterbildungen zu Enterprise 2.0 anbieten. Jetzt ist es soweit und die Detailinfos sind verfügbar. Schauen Sie doch einmal in die beigefügte Informationsbroschüre zum Weiterbildungsseminar “Enterprise 2.0 Management” (27.-29.3. und 19.-21.6. – in St. Gallen). Eine Präsentation mit genaueren Angaben zu den Inhalten kann man bei mir andrea.back@unisg.ch oder elsy.zollikofer@unisg.ch anfordern. Darin ist auch erklärt, wie man durch den Besuch von insgesamt drei Seminaren den Abschluss CAS – Certificate of Advanced Studies machen kann, wenn man daran interessiert ist.

Für Rückmeldungen, z.B. zur Namensgebung, habe ich ein offenens Ohr. Dem einen gefällt der Begriff “Management in the Digital Economy” – wie meine Vorlesung heisst. Woanders heissen die Initiativen oder Projekte Social Collaboration, dialogorientiertes Intranet, Future Workplace oder Web 2.0 in der Unternehmenspraxis, Next Corporate Collaboration, etc. Und bei Ihnen?

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Mythen, Wünsche, Wirklichkeiten: Thesen zur Arbeitspraxis 2.0

Während andere sich am Münchner Oktoberfest vergnügten, verlegten letzten Freitag mehr als 40 Microsoft Mitarbeitende in München ihren Arbeitstag an den Chinesischen Turm, also mitten in den Englischen Garten. Zusammen mit Journalisten, Studierenden und Bloggern diskutierte man, ob Social Enterprise die Arbeitsformel der Zukunft ist. Ich war auch dabei, und durfte meine Thesen zur Arbeitspraxis, wie ich sie wahrnehme und in Studien erforscht habe, einbringen.

Der Redetext war das Wichtigste und auch ein wenig provokativ. Hier zumindest die Folien – sie sind ganz aufschlussreich.

Weitere Eindrücke zum Anlass und der Atmosphäre dort gibt der Blogpost von Microsoft: Wie Social Enterprise Kommunikation, Arbeit und Freizeit revolutioniert.

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